39. Business Breakfast in Amsterdam: Der Prozess des digitalen Wandels

Digitale Transformation; oft als geheimnisvoll und trüb empfunden. Ein langsamer Prozess, der sich nur schwer in die Unternehmenskultur einbetten lässt. Aber ist es das wirklich? Beim 39. Business Breakfast zeigte Joris Herremans, Digital Manager von GrandVision, wie ein 5-stufiger Ansatz den gesamten Transformationsprozess strukturieren kann. Der Gründer von foryouandyourcustomers Jonathan Möller verglich die Digitale Transformation interessant mit der Entstehung eines Schmetterlings. Interessant wie?

Störfaktoren fordern Veränderung

Einzelhändler sind in allen Marktbereichen von Betriebsstörungen betroffen. Dies fordert Unternehmen heraus schnell zu handeln, was aber nicht immer der beste Weg ist. Es ist ein Prozess, der sich weiterentwickeln muss. Die digitale Transformation hat keinen klaren Anfang und kein klares Ende. Es ist ein kontinuierlicher, dynamischer Prozess, der sich mit der Entwicklung der Technologie verändert. „Es ist auch eine Frage der Menschen, ohne sie wird nichts passieren“, so Joris. Der 5-Stufen-Ansatz von GrandVision hilft dem Unternehmen, sich von einem traditionellen Ziegelstein- und Mörtelspieler zu einem OmniChannel-Händler zu entwickeln, der sich darauf konzentriert, das beste Erlebnis für seine Kunden zu schaffen. Joris betonte, dass diese Schritte einzeln und ohne Abkürzungen das Wachstum fördern.

5-Stufen-Ansatz

1. Dringlichkeit schafft ein Argument für Veränderung: Die Annahmen von GrandVision und die Wahrnehmung des Marktes entsprachen nicht den aktuellen Makrtbedinungen und den Bedürfnissen der Verbraucher. „Mit diesen Erkenntnissen schaffen Sie eine Hebelwirkung innerhalb der Organsiation“, sagt Joris. Die Erkenntnis „Warum müssen wir uns ändern“. Veraltete Tricks liefern nicht mehr die gleichen Ergebnisse, also gehen Sie raus und fragen Sie Ihre Kunden! Was sind ihre Bedürfnisse?

Joris Herremans, Digital Manager bei GrandVision

2. Vision und Strategie: Konzentrieren  Sie sich auf das „Warum, Was, Wie“. Definieren Sie, wie Sie den Markt übertreffen können und stellen Sie Ihre Geschäftsgrundlagen richtig ein. Schaffen Sie neue Ideen für Wachstum.

3. Bilden Sie eine Koalition für den digitalen Wandel: Neue Herausforderungen erfordern andere Menschen. Arbeiten Sie mit denen, die eifrig, datengesteuert, online versiert und mit dem Willen zur Veränderung sind.

4. Kurzfristigen Erfolg generieren: Konzentrieren Sie sich auf Ihre grundlegenden Kundenbedürfnisse und zeigen Sie intern, was Sie tun und was Sie damit leisten.

5. Verankerung in der Unternehmenskultur: Veränderung muss in Herz und Verstand übergehen. Deshalb hat GrandVision ihre Unternemenswerte „Do, Dare, Care“ gemeinsam mit ihren Mitarbeitern generiert und als KPI’s integriert.

Nach der kurzen Pause stand Jonathan Möller auf der Bühne

Die Verwandlung einer Raupe

Der Gründer von foryouandyourcustomers Jonathan Möller betrat die Bühne, um einige kühne Aussagen zu vermitteln. Bei seiner Ankunft am Flughafen Amsterdam Schiphol beobachtete er mehrere Werbungen im Zusammenhang mit digitaler Transformation. Er äußerte seine Meinung, dass das Wort „Transformation“ überhaupt nicht richtig ist, da eine Transformation eine völlige Veränderung in etwas beinhaltet. Seiner Ansicht nach ist eine Raupe, die zum Schmetterling wird, der wahre Sinn der Verwandlung. Die Raupe ist nicht mehr das gleiche Tier, sondern ein ganz anderes. Daher schlägt er vor, stattdessen das Wort „Veränderung“ zu verwenden. Die Menschen ändern sich jedoch nicht kurzfristig, also wie kann man das von einem Unternehmen erwarten? Die Realität ist daher wichtig, denn der Wandel vollzieht sich Schritt für Schritt.

In diesem Sinne deckt das Wort „Digital“ auch nicht seine Bedeutung ab. Die neue Technologie hat es uns ermöglicht, viele verschiedene Dinge zu tun und wir müssen in der Lage sein uns anzupassen. Nehmen wir Elektrofahrzeuge her, sagt Jonathan. Vor genau 100 Jahren existierte bereits der Elektrostapler und war in den USA weit verbreitet. Unsere gegenwärtige Auffassung ist, dass es sich um eine neue Technologie handelt, wie wir sie mit Tesla assoziieren. Für Jonathan ist es daher keine „Digitale Transformation“ sondern ein „Analoger Wandel“.

Jonathan Möller, Gründer von foryouandyourcustomers erklärt seine Sicht auf die analoge Veränderung

Veränderungsmöglichkeiten

Um Veränderungen zu ermöglichen, sprach er drei Haupttehmen an, die Unternehmen berücksichtigen müssen:

1. Gemeinsames Verständnis: Beginnen Sie mit einer neuen gemeinsamen Sprache, die alle Organisationsebenen verwenden können und die sie miteinander verbindet, um „Silos zu durchbrechen“. Innerhalb dieses Themas betonte er das für Sie und Ihre Kunden bekannte Modell „Exploded View“. Das Modell besteht aus sechs Schichten, die Klarheit und Überblick über eine Organisation schaffen.

2. Aufschwung in der Vielfalt: Jonathan erwähnte die verschiedenen Kanäle, die ein Kunde nutzt und den sich ständig ändernden und wachsenden Aspekt von ihnen. Es ist wichtig, dass ein Unternehmen bewertet wie sich die einzelnen Ebenen von der Exploded View verhalten, um zu wissen, wo das Unternehmen positioniert ist und was die Schwerpunkte für Veränderungen sind.                                       

3. Konsumentensicht und Mitarbeitersicht: Beobachten Sie Ihre Konsumenten. Aktivieren sie diese Erkenntnisse und stellen Sie Dienste bereit, die analoge Veränderungen bewirken. Die Firma Hilti ist ein gutes Bespiel: Durch die Beobachtung, wie Bauarbeiter ihre Produkte vor Ort einsetzten, konnte Hilti ihr Geschäft auf Produktvermietung und ergänzende Dienstleistungen konzentrieren, anstatt Geräte zu verkaufen. Eine Veränderung, die eine andere Denkweise und andere Systeme erfordert. Ein Teilnehmer fand die Idee recht genial und stellte treffend fest, dass Hilti daher nicht „Geräte verkauft“, sondern „die Fähigkeit zum Bohren“ sei. Neben den Verbraucherbeobachtungen kommt der wahre Wandel, wenn man sich auf die Mitarbeiterorientierung konzentriert. Sie sind besser in der Lage den Kunden zu bedienen, indem Sie die richtigen internen Prozesse sicherstellen und alle Augen auf das gleiche Ziel richten.

Zurück zur Realität

Bei analogen Veränderungen geht es um Menschen, nicht um Technologie. Die Kundensicht ist ein guter Anfang für Veränderung, stellt Jonathan fest. Die Art und Weise, wie Menschen arbeiten, zu verändern, ist ein viel komplexerer Prozess. Das Gute daran ist, dass es in Organisationen mehr Bewusstsein für die Bedeutung des analogen Wandels gibt. Also, treibt euch gegenseitig an! Die Realität ist, dass Veränderung vom Kopf aus beginnen muss.