Über Offline-, Online- und Mobile-Konzepte Kunden befriedigen

Für die Einen ist Essen einfach eine Notwendigkeit, für Andere gewinnt das genussvolle Konsumieren in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Food Retailer, Hersteller und Onlineanbieter haben diesen Trend erkannt und versuchen, den Kunden über zahlreiche Konzepte – von einer Umgestaltung der Supermärkte über Kochrezepten auf dem Kassenbon bis hin zu innovativen Mobile Food Apps – gerecht zu werden.

Über eine Vielzahl an Angebote habe ich mich inzwischen genau informiert oder sie einfach gleich selbst getestet. Mein Fazit: Unter Multichannel-Aspekten konnte mich bislang keines durchweg überzeugen.  

Der Wandel des Genusskosmos

90er-Jahre 00er-Jahre 10er-Jahre
Gesellschaftsziel Spaßgesellschaft Moralgesellschaft Selfnessgesellschaft
Markthype New Economy Globalisierung New Local
Konsum-Ansatz Freizeit vs. Job 24/7 Situativ
Gesuchter Mehrwehrt »mehr« »besser« »passender«
Genussverständnis Demonstration Lebensqualität Lebensqualität Wesentliches
Genussmmärkte Luxus-Marken Techno-Jewellery Selfness-Genuss
Genussfeld Alpha-Gesellschaft Authentizität Integrierter Individualismus

Quelle: Deutsches Zukunftsinstitute

Nach einer Studie des Deutschen Zukunftsinstitutes bewegt sich unsere Gesellschaft seit ein paar Jahren weg von der Workaholic-Mentalität hin zur sogenannten »Selfnessgesellschaft, die sich auf die Fahne geschrieben hat, aktiv an einem gelingenden, gesunden und genussvollem Leben zu arbeiten«. Doch warum hat das Thema Genuss so an Fahrt aufgenommen? Sich dem Genuss zuzuwenden und auf die Dinge zu fokussieren, die einem wesentlich und sinnhaft für das persönliche Glück und Wohlbefinden erscheinen, ist laut der Studie »ein klassischer Gegentrend zu unserer gesellschaftlichen Weltrealität. Es scheint ein Reflex zu sein, sich nach Strapazen oder harter Arbeit etwas zu gönnen, wodurch sich das Leben endschleunigen und besser wie auch bewusster genießen lässt.« Somit rückt der bewusste Genuss als Antwort auf die Entsinnlichung des Alltags vor, was perfekt in die heutige Selfnessgesellschaft passt.

Kennen Food Retailer das alltägliche Kundenbedürfnis?

Ich selbst bin auch jemand, der sehr gerne Energie beim gemeinsam Kochen und Genießen tankt und betreibe, wie viele andere Foodies auf dieser Welt, meinen eigenen Foodblog: Gemeinsam-geniessen.com. Es gibt aber Tage, an denen sich Zeit nehmen fürs Genießen schwierig ist, das Kochen schnell gehen muss oder schlicht nicht möglich ist und dann dreht es sich eigentlich nurmehr um reine Nahrungsaufnahme. Auch hierfür gibt es bereits Lösungen, die mit Genuss zwar nichts mehr zu tun haben, jedoch praktisch und preiswert sind.

Mich beschäftigt in meinem Blogbeitrag aber vielmehr die Frage: Wie können Food Retailer Kunden wie mir über ein reines Nahrungsaufnahme-Angebot auch einen Genussmehrwert bieten und diesen an den Multichannel-Ansprüchen eines Kunden von heute anpassen? Die dafür notwendigen Daten über bestehende und potenzielle Kunden besitzen sie meines Erachtens. Was die Migros oder Coop über mich als Kundenkarten-Nutzer beispielsweise weiß, allein das dürfte dafür schon ausreichend sein.

Natürlich gibt es zahlreiche Hersteller, die dieses Wissen nutzen, um Kunden entsprechende Services zu bieten. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Mayonnaise-Hersteller Hellmann’s. In Zusammenarbeit mit einer Supermarktkette hat man dort für ein Projekt in mehr als 100 Geschäften die Kassensysteme um eine spezielle Software erweitert. Diese erkannte, sobald ein Kunde Hellmann’s Mayonnaise im Geschäft kaufte. Umgehend wurden die weiteren Lebensmitteleinkäufe der Person registriert, mit Hellmann’s Mayonnaise kombiniert und dem Kunden anschließend ein kostenloses Hellmann’s-Mayonnaise-Kochrezept auf den Kassenbon ausgedruckt.

Vom Kassenbon mit Mehrwert zum Supermarkt als begehbares Kochbuch

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Quelle: Tages Anzeiger

Es sind natürlich nicht allein Hersteller, die nach Möglichkeiten suchen, dem Wandel im Kundenverhalten und -bedürfnis Rechnung zu tragen. Auch Einzelhändler bieten interessante Ansätze. Ein gutes Konzept fehlt mir aber auch hier. Und damit meine ich nicht unbedingt eine Neukonzeptionierung der Ladengeschäfte. Mir geht es vielmehr um eine grundlegend stärkere Fokussierung auf die eigentlichen Kundenbedürfnisse

Anbei zwei Retail-Ansätze, die interessante Multichannel-Elemente beinhalten. Der Berliner Lebensmittelmarkt Kochhaus beispielsweise hat seine Filialen als »begehbare Kochbücher« gestaltet. Auf Präsentationstischen werden dort täglich wechselnde, fantasievolle Rezepte vorgestellt. Hat man sich für eine Speise entschieden, kann man alle Zutaten fertig portioniert für zwei, vier oder mehr Personen direkt vor Ort beziehen. Darüber hinaus bietet Kochhaus in der hauseigenen Kochschule Kurse an, man kann im Restaurant essen oder sich ein Menü nach Wahl online bestellen. Für Vielnutzer gibt es darüber hinaus noch ein Sorglos-Abo, das »Abwechslung für die Küche« mit Produkten und Rezepten nach Hause liefert.

Ein ähnliches Konzept finden Kunden beim Betreten einer Eataly-Filiale, der Markthallen- / Supermarkt-Kette für italienisches Essen und Wein vor. Oscar Farinettis Ladenkonzept und seine 27 Filialen in fünf Ländern gelten in Fachkreisen als wegweisend. »Shop. Eat. Learn« heißt die Geschäftsformel von Farinetti, CEO und Firmengründer. Eataly ist eine Edelsupermarktkette, die ihren Kunden neben einem breiten und exquisiten Einkaufsangebot auch Restaurants und Kochkure vor Ort bietet.

 

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Quelle: www.eataly.com

Online- und Mobile-Ansätze

Der Lebensmittelmarkt bietet vielerlei innovative Ansätze und Konzepte, nicht zuletzt im Online-Bereich. Darunter reine Lebensmittel-Onlineshops wie ShopWings (siehe dazu unseren Blogbeitrag Multichannel im Alltag: foryouandyourcustomers über ShopWings) und die Kombination beziehungsweise Verknüpfung aus Online- und Offline beispielsweise bei Kochhaus (siehe dazu Multichannel im Alltag: Mein Einkaufserlebnis bei Rewe). Doch trotz des gestiegenen Engagements schöpfen einige Unternehmen in diesem Bereich nicht alle Möglichkeiten für eine gelungene Multichannel Experience aus (siehe Multichannel im Alltag: Coops Rezeptservice im Praxistest).

Wenn es dann um das Thema Kochen selbst geht, sind heutzutage insbesondere mobile Lösungen spannend. Ich habe einige dieser Apps einmal genauer unter die Lupe genommen. Darunter finden sich gelungene Beispiele, die Elemente für ein übergreifendes Multichannel-Konzept beinhalten könnten:

Name Price Features Knüller-Features
Kitchen Stories
(iOS, Android)
kostenlos
  • 100+ alltagstaugliche, leckere Rezepte mit Regelmäßigem Update
  • hochwertig produzierte Videos, die inspirieren und Lust aufs Ausprobieren machen
  • Automatisch generierte Einkaufslisten.
  • Mengenrechner und integrierter Timer
  • Schönes Design, Inspiration / Rezepte und Küchentipps mit Videoanleitungen
  • Ein spezieller Kochmodus (Querformat) mit Schritt für Schritt (Video)-Anleitungen
Jamie Oliver 20 minute meals
(iOS, Android)
iOS: EUR 6.99 Android: CHF 6.99
in-App-Käufe
  • 65 Rezepte samt Einkaufsliste (in-App-Käufe für weitere Rezepte)
  • Schöne visuelle Darstellung der Zubereitung durch Fotos und Videos
  • 21 exklusive Videos von Jamie Oliver über Tipps und Techniken beim Kochen
  • In jedem Rezept einfache und motivierende Sprachanleitung samt Tipps
  • Schüttelfunktion für eine zufällige Rezeptauswahl
  • Internetverbindung nicht notwendig
  • Einkaufliste wird nach Abteilung im Supermarkt sortiert
  • Schüttelfunktion für ein zufälliges Rezept
chefkoch.de
(iOS, Android, BB, amazon)
kostenlos
  • 250.000+ Rezepte mit diversen Sozialen Funktionen
  • Anpassbare Rezeptportionen
  • Eigenes Kochbuch mit favorisierten Rezepten auf allen Geräten synchronisierbar
  • Einkaufsliste, Merkzettel und »Meine Suchen«
  • Integriertes Magazin
  • Sehr aktive Community mit über 1 Mio. Mitglieder, monatlich 36 Mio. Besucher und 280 Mio. Seitenaufrufen. Dadurch viele Kommentare und Bewertungen
  • Auf der Website gibt es einen Resteverwerter. Man kann Zutaten eingeben und erhält passende Rezepte dazu
Foodspotting
(iOS, Android, Microsoft, BB)
kostenlos
  • Locationbasierte Möglichkeit, Restaurants und Gerichte zu finden
  • Möglichkeit diese zu bewerten und in die Kategorien »wanted«, »tried« und »loved« einzuteilen
  • Zeigt genaue Adressen, Karten und Telefoninfos
  • Soziale Funktionen, die zeigen, was Freunde unternommen haben
  • Weltweite, locationbasierte Empfehlungen mit aktuellen Fotos von Konsumenten
Die perfekte Eieruhr
(iOS, Android)
iOS: EUR 0.99  Android: CHF 1.69
  • Das iPhone misst mit der Kamera die exakte Eigröße
  • Über Größe, Höhenmeter und Temperatur (Kühlschrank- bis Zimmertemperatur) wird die exakte Kochzeit berechnet
  • Das perfekte Ei gelingt wirklich überall zuverlässig
  • Der Ei-Spion bietet Einblick in das Ei und seinen Kochstatus
Fischratgeber-App (WWF
(iOS, Android)
kostenlos
  • Ratgeber in puncto Nachhaltigkeit: welche Fische bedenkenlos eingekauft werden können und welche besser gemieden werden sollten
  • Gute Einteilung in »Gute Wahl«, »Zweite Wahl« oder »Lieber nicht«
  • Man kann einen Nachhaltigkeitsbeitrag dazu leisten, Meere und Fischbestände für die Zukunft zu bewahren

Es fehlt ein konsistentes Multichannel-Food-Konzept

Ausprobiert habe ich im Food-Sektor ob offline, mobile oder online also schon einiges. Am Ende bleibe ich dabei: Es fehlt mir noch immer ein Anbieter, der uns Kunden konsistent über eine Vielzahl von Kanälen hinweg befriedigt. Es fehlt einfach ein Multichannel-Food-Konzept!

Wie könnte dieses Konzept Ihrer Meinung nach aussehen? Haben Sie Anregungen, Ideen oder Vorschläge? Ich freue mich auf Inputs und Gedanken dazu und würde gerne den Pionierpfad gemeinsam mit Ihnen gehen. Wer von Ihnen ist bereit dazu? Rufen Sie mich an.