„Amorphe Formen aus der Leinwand geschält“. Franco Kappl zeigt einen Ausschnitt seines Schaffens in München

Den Entstehungsprozess seiner Bilder vergleichen Kunstkritiker gerne mit der Arbeitsweise eines Bildhauers; die Wirkung auf den Betrachter mit einer Bühnensituation, auf der sich ein Schauspiel ereignet. Franco Kappl selbst bezeichnet seinen Stil als „gestisch abstrakt. Als eine Malerei, die amorphe Formen aus der Leinwand schält." Werke aus den vergangenen zwei Jahren seines Schaffens präsentierte der österreichische Maler jetzt auf der Vernissage zur 29. Ausstellung von foryouandyourcustomers in München. Bis Oktober 2019 können sich die Besucher ein eigenes Bild vom Schaffen Franco Kappls machen.
Robert Josef Stadler, CEO der foryouandyourcustomers Gruppe im Austausch mit einem der zahlreichen Gäste.

Sali Ölhafen, Birgit Zinner, Bodo Korsig und nun Franco Kappl — für foryouandyourcustomers München ist es seit der Standortgründung bereits die vierte Dauerausstellung in Folge. „Kunst als ein grundlegender und deshalb fester Bestandteil unserer Firmenkultur, als ein verbindendes und beziehungsförderndes Element für uns Mitarbeiter, unsere Kunden und natürlich auch jeden Kunstliebhaber und Interessierten, der sich die Ausstellung anschauen möchte“, freute sich Geschäftsführer Jens Plattfaut bereits vor der Vernissage auf seine Gäste. Diese strömten wenig später zahlreich in das dritte Obergeschoss des Büros in München Schwabing. Darunter Mitarbeiter, Familienangehörige, Freunde und Freunde von Freunden, die erstmals mit unserem Unternehmen, teils auch erstmals mit dem Maler Franco Kappl und seinem Schaffen in Beziehung traten.

Die Beziehung zwischen foryouandyourcustomers und dem österreichischen Künstler wird bereits seit Jahren gepflegt. 2014 war es an ihm, die erste Einzelausstellung in den weitläufigen Büroräumen am Standort Wien zu präsentieren. Eine Ausstellung, die nicht nur die vielen Besucher vor Ort für lange Zeit in ihren Bann zog, sondern auch beim Künstler durchweg positiv in Erinnerung blieb.

Kunsthistorikerin Carola Conradt bei der Einführung ins Werk von Franco Kappl: „Spannung und Interaktion erscheint mir wesentlich in den Bildern.“

„Büroausstellungen sind meistens katastrophal oder zumindest sehr, sehr schwierig zu arrangieren“, sagte Franco Kappl. Dennoch musste er nicht zwei Mal überlegen, als die Anfrage von Kuratorin Sali Ölhafen bei ihm eintraf. „Im Normalfall handelt es sich bei Ausstellungen dieser Art um eine Form der Bürobehübschung, aber das hier in München ist etwas ganz anderes. Denn foryouandyourcustomers hat einen komplett anderen Zugang zu Kunst, als es in vielen anderen Firmen der Fall ist. Hier macht man das klasse: Das gesamte Büro wird nach wie vor zum Arbeiten genutzt und dennoch entsteht eine Atmosphäre wie in einer Galerie, eine besondere Atmosphäre für Gäste wie Mitarbeiter, wo sich die Bilder ständig neu in einem alltäglichen Raum behaupten müssen. Es handelt sich nicht um das Dekorieren von Räumen, sondern es dreht sich um Kunst als solche und deshalb freue ich mich riesig über diese Ausstellung.“

Künstler unter sich: Kuratorin Sali Ölhafen und Christian Stock, die beide derzeit bei foryouandyourcustomers Essen ausstellen.

„Weiß tritt auf“, betitelte Kunsthistorikerin Carola Conradt ihre Einführung in Kappls Werk und gab den Anwesenden ihre Gedanke mit auf den ersten Gang durch die Ausstellung. „Franco Kappls schwarz-weiße Bilder erinnern an Dunkelheit mit Lichteffekten. Oder mehr noch, an eine Bühnensituation, auf der sich ein Schauspiel ereignet. Weiß tritt auf die Bühne und verwirklicht sich dort. Schwarze Farbe schafft Fläche für eine ergreifende Inszenierung von Malerei: Leuchtend hell – mal gleißend, mal versonnen – ereignen sich Durchbrüche ins Bildinnere, in Tiefen entführend oder Formationen, die sich in den Raum werfen, plastisch herauszuwachsen scheinen. Das Weiß trifft unvermittelt auf das Dunkel, genießt einen starken Auftritt: expressiv, dynamisch, in weiten Farbschwüngen, um dann auszuklingen, mit dünnem Pinsel, zeichnerisch.“

Die Werke auf Distanz auf sich wirken lassen.

33 Bilder, kleinformatig, skizzenhaft auf Papier gebannt oder überdimensioniert auf Leinwand festgehalten, hatte der österreichischen Künstler gemeinsam mit Sali Ölhafen für die Schau arrangiert. Penibel punktgenau und reduziert gehängt, „den räumlichen Gegebenheiten entsprechend großzügig, Blickwinkel berücksichtigend, verbindend und brechend, eine Raumdramaturgie erzeugend“, wie es Franco Kappl selbst beschrieb. Oder „liebevoll und inspirierend arrangiert“, wie es eine Besucherin nannte, die sich auch nach mehrmaligem Abschreiten „bislang noch nicht an den Bildern satt sehen konnte“. Wie ihr ging es an diesem Abend vielen Besuchern in der Herzogstraße 60. Aus dem Zentrum des Zusammenkommens im Eingangsbereich des Büros lösten sich fortwährend einzelne Gäste oder Gruppen, gingen durch die einzelnen Räume, betrachteten die Einzelbilder, Serien und deren Zusammenspiel aus der Entfernung, ließen sie auf Distanz auf sich wirken oder kamen den Werken ganz nah, mit dem Blick auf Entstehungsprozess, Farbgebung, Pinselduktus – gebannt, fasziniert, fragend und vereinzelt auch staunend.

Geschäftsführer Jens Plattfaut: „Wir freuen uns bei jeder Vernissage aufs Neue über den tollen Zuspruch.“

Die Eindrücke von Franco Kappl Werk – teils auf einzelne Bilder, teils auf die gesamte Werkstrecke bezogen – wurden an diesem Abend durchaus kontrovers unter den Anwesenden diskutiert: Düster contra leuchtend, beengt versus raumgreifend; das Gegensätzliche in der Wahrnehmung der Malerei des 56-Jährigen vereinte sich am Ende aber in einem Fazit: beeindruckend, berührend und bereichernd.

Eine Malerei im Blickfeld, deren Grundthema sich, so Franco Kappl einem Gast gegenüber sparsam beschreibend, „hauptsächlich um Schwarz und Weiß, um Hell und Dunkel, dreht. Amorphe Formen, die zu einer Interpretation, zu Vergleichen mit realen Gegenständen anregen, was ganz und gar nicht meine Intention ist“, oder wie es Carola Conradt ausdrückte: „Es geht nicht um Figürlichkeit, auch wenn die Kompositionen immer wieder dazu verleiten und auch die Titel es manchmal nahelegen. Franco Kappls Malerei ist durch und durch abstrakt. Es geht rein um das Treiben der Malerei auf dem Bildträger“.

Franco Kappl im Gespräch mit Kollege Michael Dillmann.

Franco Kappl selbst genoss sichtlich das Zusammensein mit den Kunstinteressierten. „Das Interesse an meiner Malerei und auch die Rückmeldung zu den Werken war wirklich toll. Mein Wunsch ist es, dass die Ausstellung den Gästen ein tolles Erlebnis bietet und ich das Publikum mit meiner Arbeit erreiche. Und wenn ich mich hier umschaue, dann scheint mir das heute jedenfalls gelungen zu sein.“

Was die Farbe auf den Bildern von Franco Kappl so alles treibt, können Sie noch bis einschließlich Oktober 2019 nach Anmeldung unter +49 89 383 46 151 am Standort München entdecken.