Microservices – Trendwende im Multichannel?

Inspiriert von drei spannenden Vorträgen, haben sich die Teilnehmenden des 26. Business Breakfasts von foryouandyourcustomers am Donnerstag, 6. Juli 2017 bei gewohnt gutem Frühstück umfassend über das Business-Potential von Microservices ausgetauscht.

Den Auftakt der Vorträge hat am frühen Morgen Lars Kietzer (Zooplus AG) gemacht, dessen Unternehmen in diesem Jahr laut einer IFH Köln-Umfrage nicht nur den aus Kundensicht besten Online-Shop Deutschlands anbietet, sondern nach 18 Jahren im Geschäft erstmals auch einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro entgegenblickt.

„Ein neues Feature zu entwickeln war in etwa vergleichbar mit dem Versuch, einen Swimming Pool auf das Dach des schiefen Turms von Pisa bauen zu wollen.“

Als Head of Product Center Shop ist Lars Kietzer verantwortlich für die gesamte Shop-Technologie und Entwicklungs-Organisation des erfolgreichsten Online-Vertriebs für Tierbedarf Europas. “Natürlich hat das rasante Wachstum Spuren an unserem Shop hinterlassen”, erklärt Kietzer und führt weiter aus, wie die vormals monolithische Shop-Struktur mit jedem neuen Kunden-Feature irgendwann so komplex wurde, dass Änderungen nur noch unter großem Schmerz und viel Zeitaufwand vorgenommen werden konnten. Mit einem Lächeln fügt er hinzu, “Ein neues Feature zu entwickeln war in etwa vergleichbar damit, einen Swimming Pool auf das Dach des schiefen Turms von Pisa bauen zu wollen.“

Das IT Management hat reagiert und betreibt seit bald zwei Jahren einen massiven Personalaufbau zur Modularisierung und Skalierung. Anhand von Business-Prozessen wurde die Shop-Logik in einzelne Module zerlegt, welche nur noch über APIs miteinander kommunizieren. Das schafft Übersicht, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit. Interessiert waren die Teilnehmer besonders daran, wie Zooplus auch das Entwicklungs-Team neu organisiert hat. Zum Einen anhand von technischen Modulen und zum Anderen nach funktionalen Rollen (Business, Technology, People & Process). “Die Effizienz-Gewinne sind uns natürlich wichtig,” erläutert der Vortragende, “aber viel wichtiger ist,dass jeder Mitarbeiter in jedem Team den Kunden- bzw Businesswert seiner Arbeit versteht und damit den Weg zum Ziel beeinflussen kann. Businessnahe, autonome Teams erarbeiten selbständig die bestmöglichen Lösungen für unsere Kunden. Motivation ist ein grundlegendes Erfolgsrezept.”

„Mit einer traditionellen Architektur kann die Vielzahl der neuen Kanäle nicht mehr bewirtschaftet werden. Eine Microservice-Architektur kann hier die Lösung sein. “

Mit Begeisterung folgten die Teilnehmer auch Dirk Hoerig, der die Herausforderungen der Online-Händler mit monolithischen Shop-Strukturen sehr treffend auf den Punkt brachte. Der Gründer und CEO von commercetools hat den digitalen Wandel als einer der ersten in der Industrie adaptiert und eine passende Lösung für Probleme entworfen, derer sich viele Unternehmen noch gar nicht bewusst waren. Illustriert wurde dies am Beispiel der Rewe Gruppe, die mit Lebensmittel-Handel groß geworden ist und in 2015 stolze 52 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet hat. Im Zuge der Lebensmittel-Lieferservices sei man sich “in der Rewe bewusst geworden, dass die Vielzahl der neuen Kanäle mit traditionellen Architekturen kaum mehr effizient zu bespielen ist,” berichtete Hörig. “Eine Microservice-Architektur hingegen ermöglicht die kontinuierliche, flexible und effiziente Weiterentwicklung der Online-Plattform,” so der Vortragende. Da die commercetools Cloud Plattform Unternehmen einen schnellen und unkomplizierten Einstieg in die Welt der Microservices bietet, zählt das Unternehmen derzeit zu den am schnellsten wachsenden Enterprise Commerce-Unternehmen und wird auch von namhaften Analysten, wie Forrester, als führend im Bereich APIs und Microservices angesehen.

Teilnehmer des Business Breakfasts beim Frühstück

“Die Inhalte sind für uns überaus relevant,” so das vorläufige Resümee von einem Teilnehmer aus der chemischen Baubranche während der Pause. “Ich werde sicher auch beim nächsten Breakfast mit dabei sein und ein bis zwei Kollegen mitbringen,” kündigte er begeistert an. In entspannter Atmosphäre und bei gutem Frühstück hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, sich intensiv miteinander und mit den Sprechern auszutauschen und das Gehörte für ihre Unternehmen zu interpretieren. “Diese Form des engen Austauschs ist es, was unsere Business Breakfasts so besonders macht,” sagt auch Jens Plattfaut, CEO von foryouandyourcustomers in München. “Ich freue mich jedes Mal sehr, wenn die Besucher unseres Büros wirklich etwas mit nach Hause nehmen können.”

Den Abschlussvortrag hielt Alexander Oppel, CEO von foryouandyourcustomers Amsterdam. Oppel ist ein Systemarchitekt der ersten Stunde, technisch versiert und ein ausgesprochen guter Vermittler zwischen Marketing und IT. Das spürt man in Momenten, wenn er im ersten Halbsatz über die technische Detailarchitektur eines Microservices für Order Management berichtet, den er mit seinem Team für einen niederländischen Kunden entwickelt hat, und im Zweiten dessen Business-Mehrwert am Beispiel einer Dame verdeutlicht, die auf dem Weg zur Oma noch schnell online nachsehen kann, in welchem Geschäft auf dem Weg sie noch Zutaten für den Lieblingskuchen verfügbar sind, die sie mitnehmen kann. Verständlich gibt Oppel den Teilnehmern auch wertvolle Ansatzpunkte und Beispiele mit auf den Weg, wie sie in ihrem Unternehmen Microservices nutzen können und wie mögliche Migrationswege dafür aussehen könnten.

Das nächste Event am Standort München wird am 18. Oktober 2017 die Vernissage mit dem deutschen Künstler Bruno Korsig sein, zu der Jens Plattfaut abschließend einlädt. Bei diesem Termin stehen dann einmal nicht die Multichannel-Herausforderungen, sondern die Kunst im Mittelpunkt. Falls gewünscht, kann der informelle Austausch unter Gleichgesinnten aber natürlich bei einem Glas Wein auch dort stattfinden.