Interview mit Robert Josef Stadler zum Thema Integrales Management im Forbes Austria

Mit analogen Methoden unterstützt foryouandyourcustomers Unternehmen im digitalen Wandel. Robert Josef Stadler führt die foryouandyourcustomers-Gruppe mit Gefühl, Verstand, einer starken Kultur und wenigen Fakten. In einem Interview mit Forbes Austria spricht der 61-Jährige über das soziale Experiment foryouandyourcustomers.

Erschienen in »Forbes Austria« Oktober 2016, unter dem Titel »Integrale Sicht«.

Um außergewöhnliche Leistungen zu bieten, sind optimale Prozesse und Strukturen sowie eine gestaltete Kultur notwendig. Darin war sich Robert Josef Stadler schon in jungen Jahren sicher. Der 61-Jährige ist Pionier in der Anwendung des Integralen Managements. Mit 34 Jahren wurde er Mitglied der Geschäftsleitung einer ABB-Gesellschaft, leitete verschiedene Betriebe mit mehr als 800 Mitarbeitenden und war überdies jahrelang Inhaber eines Beratungsunternehmens. Seit der Gründung 2010 leitet er die von Jonathan Möller initiierte foryouandyourcustomers-Gruppe – als ökonomische Einheit und soziales Experiment.

Forbes Austria: Mit der ChannelOPERA hat die Ideenschmiede von foryouandyourcustomers ein weiteres, gefragtes Werkzeug präsentiert: Eine Workshop-Methode, mit der jedes Unternehmen seine Kundenorientierung stark verbessern kann. Wie kam man auf die Idee?

Robert Josef Stadler: Wir haben in den vergangenen zwei Jahren mit über 3000 Personen Customer Journeys von potenziellen Kunden durchgespielt – der Bedarf ist enorm! Die Einsatzmöglichkeiten unserer Methode sind sehr vielseitig. Sie reichen von der Schaffung eines Multichannel-Verständnisses auf Konzernleitungsebene bis zur Definition von Anforderungen in den Fachabteilungen.

„Die meisten Ansätze der großen Beratungsunternehmen sind für mich veraltet.“
Robert Josef Stadler, Gründer von fyayc

Sind die Führungsteams mit der Anpassung an den digitalen Wandel überfordert?

Nein, aber sie stehen vor großen Herausforderungen. Es ist essentiell für mich, dass sich die Unternehmen auf den Weg begeben und nicht jahrelang irgendwelche perfekte Lösungen suchen. Die meisten Ansätze der großen Beratungsunternehmen sind für mich veraltet. Unternehmen werden mit Hochglanzkonzepten nicht überleben, sie müssen sich anpassen. Dafür ist die Allokation der finanziellen Mittel und der Mitarbeitenden in die verschiedenen Kanäle von großer Bedeutung. Kostenintensive Kanäle, wie der Besuch von Außendienstmitarbeitern bei den B2B Kunden, sollten normalerweise reduziert werden und die freien Mittel in digitale Kontaktmöglichkeiten investiert werden.

Worin besteht das soziale Experiment von foryouandyourcustomers?

Das zu erklären, würde hier den Rahmen sprengen. Stark vereinfacht gesagt: Im Zentrum steht bei uns die Entwicklung jedes einzelnen Mitarbeiters. Ich denke, dass die Menschen ein Grundbedürfnis haben, sich zu entwickeln. Mit foryouandyourcustomers haben wir den Raum dafür geschaffen und bereits einige soziale Experimente in die Tat umgesetzt. Zentral ist, dass wir die Menschen als mündige Mitarbeitende wahrnehmen und ihnen viel Raum für die persönliche und fachliche Entwicklung zur Verfügung stellen

Revolutionär ist, dass Sie über kein Headquarter verfügen, statt dessen in Zellen organisiert sind. Wie kam es dazu?

„Jede Zelle liefert einen Beitrag an andere Zellen und ist gleichzeitig autonom überlebensfähig.“
Robert Josef Stadler, Gründer von fyayc

Die synarchische Organisationsform ist ein wesentlicher Bestandteil des integralen Managements. Ich bin der Überzeugung, dass sich Menschen schneller weiterentwickeln, wenn sie ihrer Leidenschaft folgen und dabei unterstützt werden. Die familiäre Zellenstruktur mit maximal 25 Mitarbeitenden in einer Zelle (Unternehmenseinheit) bietet ein hohes Maß an Selbständigkeit. Jede Zelle liefert einen Beitrag an andere Zellen und ist gleichzeitig autonom überlebensfähig. Die Zellenstruktur führt dazu, dass sich die Mitarbeitenden in einem Spezialgebiet schnell weiter entwickeln, weil sie sich mit anderen Experten austauschen können und weil sie die Kunden in ihrem eigenen Lieblingsgebiet unterstützen. Davon profitieren unsere Kunden, weil es heute notwendig ist, in allen genutzten Kanälen zu den Besten zu gehören.

Wie schaut die Nachfolgelösung bei ihnen aus?

Mit einer nachhaltigen Nachfolge beschäftige ich mich tatsächlich seit einiger Zeit. Im Oktober 2017 werde ich dazu in Wien die Konferenz Integrales Management veranstalten mit Sylvia Brenzel, Peter Koenig und Peter Klein. Für jedes Projekt und jede Funktion braucht es Nachfolgelösungen. Diese Nachfolgen scheitern oft, weil der Unterschied zwischen einem Projekt oder einer Funktion zu hinterlassen etwas grundsätzlich anderes ist, als diese zu übergeben. Das Gelingen hängt dabei viel stärker von der Person ab, die etwas übergibt, als von der Person, die etwas übernimmt. Insofern bin ich mir der Verantwortung bewusst und werde einige Funktionen bereits 2017 an meine Nachfolger übergeben.