Birgit Zinner und Sali Ölhafen im Interview zur 17. Ausstellung

Ihre Bildobjekt-Kunst in Firmenräumlichkeiten zu präsentieren, ist für die österreichische Kunstschaffende Birgit Zinner keine Seltenheit. Dennoch wird die 17. Ausstellung bei foryouandyourcustomers in München, mit Birgit Zinners Werken, entstanden in unterschiedlichsten Schaffensphasen, einen besonderen Platz in ihrer Biografie erhalten.

Über die Bedeutung der Ausstellung bei und für foryouandyourcustomers, die Herausforderung, eine Büroatmosphäre mit Kunst zu verbinden und die Wirkung von Kunst am Arbeitsplatz, darüber sprach sie mit Kuratorin Sali Ölhafen in einem Interview von foryouandyourcustomers: »Über eine besondere Ausstellung an einem besonderen Ort«, wie die Künstlerin selbst sagte.

Hannes Weikert: Birgit Zinner, Sie haben Ihre Kunst in den vergangenen Jahren in zahlreichen renommierten Galerien, Museen, Kunsthäuser sowie in einigen Firmen ausgestellt und dabei mit Sicherheit viele Erlebnisse und Erinnerungen gesammelt. Jetzt bezeichnen Sie Ihre Arbeit bei foryouandyourcustomers als etwas Besonderes – was uns natürlich sehr freut. Können Sie das Besondere benennen?

Birgit Zinner: Bei foryouandyourcustomers ist der Ansatz komplett anders als für gewöhnlich in Unternehmen. Nicht nur, weil wir die Ausstellung mit einer Vernissage eröffneten, die jedem Kunstinteressierten in der Stadt frei zugänglich war, was in Firmenräumen auch nicht gerade oft vorkommt. Viel spannender war für mich, die Erfahrung zu machen, dass man in diesem Unternehmen einen anderen Zugang zu Kunst hat, es dort um Kunstvermittlung geht.

Darum, dass die Mitarbeiter ein Bewusstsein für Kunst entwickeln, quasi mit ihr leben dürfen und eine Beziehung zu ihr aufbauen. Das ist für mich das Besondere und ja, bislang auch etwas Einmaliges. Deshalb bin ich schon jetzt gespannt, wie die Mitarbeiter nach einigen Monaten zu meiner Kunst stehen.

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Hannes Weikert: Waren Sie überrascht, als Sali Ölhafen Sie fragte, ob Sie sich eine Ausstellung bei uns vorstellen könnten?

Birgit Zinner: Wenn Überrascht, dann im positiven Sinn! Meine Kunst ist ja eine sehr spezielle, mit einem hohen Wiedererkennungswert. Dass man auf mich zukam, damit signalisierte man mir bereits, dass es sich hier um eine Firma mit einer sehr offenen und zeitgenössischen Haltung handelt. Einer Offenheit dieser, ich nenne sie jetzt mal speziellen Kunst gegenüber und einer Offenheit, auch nach außen zu dieser Kunst zu stehen.

„Wir haben hier wortwörtlich eine Symbiose aus Kunst und Raum geschaffen und das hat toll funktioniert.“
Sali Ölhafen, Kuratorin bei foryouandyourcustomers

Hannes Weikert: Sali Ölhafen, Sie sind die Kuratorin der Ausstellung, selbst Künstlerin, und haben über die vergangenen Monate intensiv und sehr eng mit Birgit Zinner an dieser Schau gearbeitet. Was entgegnen Sie möglicher Kritik, dass es sich hierbei nicht um Kunst dreht, sondern möglicherweise um eine Marketingmaßnahme, mit dem Ziel, neue Kunden zu generieren?

Sali Ölhafen: Ich würde diesen Kritikern antworten, dass unsere Ausstellung keine einmalige Aktion ist. Wer sich mit foryouandyourcustomers auseinandersetzt, weiß, dass es bereits die 17. Ausstellung in fünf Jahren an einem unserer zehn Standorte ist und die Mitarbeiter in unseren Büros immer von Kunst umgeben sind. Und abgesehen davon: Welches Unternehmen würde sich aus Marketinggründen eine eigene Kuratorin leisten?

Birgit Zinner: Dazu würde ich gerne noch etwas sagen. Als ich im Office von München ankam, da hatten die Mitarbeiter sehr viele Fragen an mich und über meine Arbeit parat. Man hatte sich ganz offensichtlich bereits intensiv mit mir als Künstlerin auseinandergesetzt. Ihre Kollegen wollten auch unbedingt eine Führung durch die Räume erhalten und dabei erklärt bekommen, welches Werk warum und wo hängen wird. Das Interesse war also immens und das hatte mich wirklich überrascht. Für mich als Künstlerin ist das ein richtiges Geschenk.

Sali Ölhafen: Hattest Du Dich im Vorfeld auch intensiver mit foryouandyourcustomers auseinandergesetzt?

Birgit Zinner: Mit dem Unternehmen weniger. Denn letztlich dreht es sich um die Personen, die sich täglich in den Büroräumen bewegen. Darum, wie sie sich selbst und wie sich ihre Arbeit mit der Kunst verändert und weiterentwickelt. Diese Begegnung mit oder diese Annäherung an meine Kunst ist völlig individuell und kann ich nicht beeinflussen.

„Bei foryouandyourcustomers geht es um Kunstvermittlung. Darum, dass die Mitarbeiter ein Bewusstsein für Kunst entwickeln und mit Kunst quasi leben dürfen. Das ist für mich das Besondere und ja, bislang auch etwas Einmaliges.“
Birgit Zinner, Künstlerin

Hannes Weikert: Welche Art von Kunst wird die Mitarbeiter nun ein Jahr lang begleiten?

Birgit Zinner: Ich nenne es abstrakte Bildobjekte. Wie der Name schon sagt, ist meine Kunst eine Mischung aus Bild, Objekt und Malerei. Wobei es sich vielmehr um eine erweiterte Form von Malerei handelt. Sali hat sich bei den Besuchen in meinem Atelier für 29 Wandobjekte aus unterschiedlichen Serien und unterschiedlichen Schaffensphasen der vergangenen 15 Jahre entschieden und diese Werke hat sie wunderbar miteinander arrangiert und auf die Räume abgestimmt.

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Hannes Weikert: Sie sprechen die Gestaltung der Räume an. Die Kunsthistorikerin Carola Conradt, die auf der Vernissage die Einführung in ihr Werk vornahm, beschrieb es folgendermaßen: »Die bemalten Platten, die Bilder, heben sich von der Wand ab, schichten sich in den Raum. Tasten sich in den Raum, nehmen Raum – und führen uns dadurch Raum vor.« Es klingt so, als wäre Ihre Kunst wie für das Büro geschaffen.

Sali Ölhafen: Ich kenne Birgit Zinner über 30 Jahren und begleite genauso lange auch schon ihre Arbeit. Das Altbaubüro in München hat mit den zahlreichen Bögen und Rundungen, den hohen Decken und dem hellen Licht sehr feminine Züge und Birgits Kunst passt vom Stil und Ausdruck wirklich perfekt hierher. Man hat ausreichend Platz, um die Objekte zu umgehen, kann die Kunst immer wieder in einem neuen Licht wahrnehmen, mit neuer Farbigkeit und aus einer anderen Perspektive.

Die Werke, die wir ausgewählt haben, stehen dabei in einem Zusammenhang, sie gehen auf den Raum zu, kommunizieren aber auch miteinander, mit dem jeweiligen Raum und über die Räume hinweg. Wir haben hier wortwörtlich eine Symbiose aus Kunst und Raum geschaffen und das hat toll funktioniert.

Birgit Zinner: Dabei hatten wir zu berücksichtigen, dass es ein Büro und keine Galerie ist, die Räume einer bestimmten Nutzung unterliegen. Es musste beispielsweise Platz freigehalten werden,  für einen Beamer, Drucker oder für Whiteboards; und genauso musste das passende Werk für den Aufenthaltsbereich, aber auch für das Besprechungszimmer gefunden werden. Die Herausforderung für uns hieß also: Wie können wir den Raum so nutzen, dass er zweckmäßig bleibt und die Kunst sich in natürlicher Form darin einbettet, den Raum aufwertet, die Menschen hier inspiriert. Das war nicht einfach, für uns aber sehr, sehr wichtig. Und ich denke auch, das haben wir wirklich gut hinbekommen.

Sie sind herzlich eingeladen

Bis Dezember 2017 laden wir Kunstliebhaber, Interessenten und Neugierige zu uns in unser Büro, Herzogstraße 60, in München Schwabing ein, sich selbst einen Eindruck von Birgit Zinners Kunst zu verschaffen.