Johannes Aumann, Geschäftsleiter fridel markt & restaurant im Interview

Johannes Aumann hat fridel markt & restaurant in der Innenstadt von Saarbrücken federführend entwickelt und gemeinsam mit und für die Globus-Gruppe an den Markt gebracht. fridel ist »eine einzigartige Kombination aus Convenience-Markt, Schauküche mit Sitzbereich und einem Drive-Konzept«, so beschreibt die Globus-Gruppe selbst ihren ersten Kleinflächenmarkt.

Für das Unternehmen Globus ist das fridel-Konzept Neuland und ein schon jetzt erfolgreiches Pilotprojekt. Axel Helbig, Geschäftsführer von foryouandyourcustomers Düsseldorf, im Gespräch mit Johannes Aumann über das neue Globus-Konzept und dessen positiven Auswirkungen auf das Unternehmen.

»fridel bietet unserem Konzern eine ideale Plattform für technologische Weiterentwicklungen im Einzelhandel.«
Johannes Aumann
, Geschäftsleiter fridel markt &restaurant

Johannes Aumann führt Axel Helbig an einem frühen Freitagmittag durch »seinen« fridel. Hinter der offenen Küchenfront sieht man bereits mehrere Köche mit Hochdruck beim Zubereiten der Mittagsmenüs, einige Jugendliche greifen nach frisch belegten Pausensnacks und andere Kunden suchen im Vegansortiment nach Grillwürsten fürs Wochenende. Der 37-Jährige ist deutlich sichtbar mit viel Engagegement und ebenso großer Empathie bei der Arbeit: Auf der Marktfläche hilft er einer Kundin beim Abpacken frischer Nektarinen, Gästen im Restaurant wünscht er einen guten Appetit und im »Hintergrund« wirft er einen Blick auf die Warenkörbe des Globus-Drive-Dienstes. Johannes Aumann ist Geschäftsleiter mit Leib und Seele und durchgehend damit beschäftigt, fridel noch attraktiver für seine Kunden zu machen.

Axel Helbig: Johannes Aumann, in Ihrem Vortrag auf der ITH-Tagung in St. Wendel haben Sie den Teilnehmern aus Handel, Zulieferer und Technologieunternehmen das Konzept von fridel markt & restaurant vorgestellt und dabei den Willen hervorgehoben, den Kundenwünschen einen großen Schritt entgegenzukommen«…

Johannes Aumann: …und ebenso betont, dass wir dieses Vorhaben dank unseres Konzeptes auch in die Tat umgesetzt haben. Außerdem arbeiten wir täglich daran, diese Beziehung zum fridel-Kunden noch weiter zu optimieren. Der Kunde steht in unserem Haus wie auch bei Globus im Zentrum all unserer Bemühungen.

Axel Helbig: Wodurch zeichnet sich das fridel-Konzept aus? Wodurch unterscheiden Sie sich von anderen Einzelhändlern?

Johannes Aumann: Als ich 2013 mit der Aufgabe fridel aufzubauen betreut wurde, habe ich mich intensiv mit dem deutschen und internationalen Markt beschäftigt, mit aktuellen Trends und Impulsen im Einzelhandel. Die maßgeblichen Innovationen auf die ich dabei stieß, waren verstärkt kleine und frische Läden, das Thema Online und das Thema Direktverzehr. Diese Aspekte haben wir zu einer sinnvollen Einheit verschmolzen und an die Marktbedürfnisse angepasst. Das Resultat ist fridel: Wir sind von all dem etwas mit der Verpflichtung, unseren Kunden ein besonderes ganzheitliches Sortiment zu bieten.

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Was fehlt, wird umgehend wieder aufgefüllt: fridel-Mitarbeiter beim Bestücken der Regale.

Axel Helbig: Mit der Eröffnung von fridel betrat man bei Globus Neuland im Lebensmittelsektor. Welche Rolle spielt Ihr Markt in der Strategie von Globus?

Johannes Aumann: Das Ziel von Globus ist es, noch relevanter für das moderne Familienmodell zu werden, der gestiegenen Diversität an Lebensformen gerecht zu werden. Werte – ich nenne sie Megatrends – wie Urbanität, veränderte Mobilität, Technologisierung oder denken wir an die Foodies von heute, um nur vier Beispiele herauszugreifen, denen wir hier bei fridel Rechnung tragen, spiegeln sich in dem angesprochenen Familienmodell wieder.

Axel Helbig: Und konkret: Wodurch unterscheidet sich Ihr Ladengeschäft von einem herkömmlichen SB Warenhaus?

Johannes Aumann: Zunächst einmal durch die Infrastruktur: Wir sind mit fridel zum ersten Mal im Innenstadtbereich und auf einer Fläche von unter 1000 Quadratmetern angesiedelt. Außerdem sprechen wir ein anderes Kundensegment als ein SB-Warenhaus an und bieten, nicht zuletzt auf Grund unserer kleineren Fläche und einer anderen Adressatengruppe, ein kleines und von Globus abgewandeltes Warensortiment für den schnellen Einkauf.

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Johannes Aumann (rechts) führt Axel Helbig durch seinen fridel.

Axel Helbig: Welche Bedeutung spielt fridel für Globus?

Johannes Aumann: Durch fridel hat die Globus-SB Warenhaus Holding ihr Kanalportfolio deutlich erweitert. Wie bereits erwähnt: Durch unsere Lage und unser Angebot haben wir ein neues Kundensegment hinzugewonnen. Wir haben einen Kanal in der Innenstadt erschlossen, in ein Berufszentrum, wo die Kunden teilweise keine Zeit finden, um täglich bei Globus einzukaufen. Und durch die angeschlossene Drive-Station bieten wir den fridel-Einkäufern einen weiteren Touchpoint mit Globus.

 

Axel Helbig: Welche Multichannel-Strategie verfolgen Sie bei fridel?

Johannes Aumann: Aus fridel-Sicht bedienen wir drei maßgebliche Kanäle: Das ist der Markt, das Restaurant und die Abholstation. Die Idealvorstellung unseres Multichannel-Ansatzes ist, dass wir unseren Kunden über den gesamten Tag hinweg begleiten. Sprich: Er kauft sich morgens auf dem Weg zur Arbeit seinen Kaffee und etwas zum Frühstücken bei uns.

»Bei fridel finden Sie jederzeit zwei oder drei Angestellte, die Sie ansprechen und nach Produkten und Services fragen können. Diese Mitarbeiter als Kanal, als Austauschpartner mit dem Kunden, sind uns sehr, sehr wichtig.«
Johannes Aumann
, Geschäftsleiter fridel markt &restaurant

In der Mittagspause setzt er sich in das fridel-Restaurant oder nimmt sich sein Essen an den Arbeitsplatz mit und auf dem Nachhauseweg holt er seine Einkäufe an unserer Globus-Drive-Station ab und ergänzt diese noch um frische Waren aus unserem fridel-Sortiment.

Und ganz wichtig natürlich: In diesem gesamten Konzept kommt unseren Mitarbeitern eine tragende Rolle zu. Kennen Sie ein Einzelhandelsunternehmen mit einer Größe von 800 Quadratmeter in Deutschland, in dem Sie, außer an der Kasse, auf Personal treffen? Ich glaube, das gibt es nicht. Hier im fridel finden Sie jederzeit zwei oder drei Angestellte, die Sie ansprechen und nach Produkten oder Services fragen können. Diese Mitarbeiter als Kanal, als Austauschpartner mit dem Kunden, sind uns sehr, sehr wichtig.

Axel Helbig: Globus Drive haben Sie bereits angesprochen. Wieviel Globus steckt denn noch in fridel?

Johannes Aumann: Ohne die SB-Warenhäuser gäbe es fridel in dieser Form nicht. Wenn Sie einen Blick auf unser Sortiment werfen, wird Ihnen auffallen, dass sich das Basissortiment aus Alnatura-Produkten und Globus-Eigenmarken zusammensetzt, ergänzt um Bio- und regionale Marken oder eben Marken, die besonders gut zum fridel-Konzept passen beziehungsweise unser Sortiment bereichern.

»fridel ist ein kleines Konzept und unsere Stärke ist, dass wir auf die Leistungen der gesamten Globus-Infrastruktur zugreifen können.«
Johannes Aumann
, Geschäftsleiter fridel markt &restaurant

Wenn wir vom Modell für Multichannel ausgehen, dann profitieren wir ganzheitlich betrachtet vom Grundlegenden bis hin zum Benutzerorientierten von Globus – fridel ist aus den Stärken von Globus entstanden. Unsere Fähigkeit, Waren selbst zu produzieren. Unsere Mitarbeiter, die den Erfolg bei Globus maßgeblich mitgestalten und gegenüber dem Kunden auftreten und der Infrastruktur eines Einzelhändlers, auf die ich bei fridel uneingeschränkt zugreifen kann.

Axel Helbig: Ihr Ladengeschäft wurde im April 2015 eröffnet und gilt als Pilotprojekt dieser Form. Wie wird Ihr Konzept von der Kundschaft angenommen?

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Johannes Aumann: Die Kennziffern wie Umsatz und Kundenfrequenz sprechen nach einer gewissen Anlaufphase eine deutliche Sprache. Die Entwicklung ist positiv und wir rechnen für 2016 mit einem Umsatzzuwachs von rund 50 Prozent im Vorjahresvergleich.

Axel Helbig: fridel trifft den Zeitgeist. Bei einem Blick auf Ihre Webseite fällt auf, dass Sie zwar das Globus-Drive-Angebot nutzen, Ihren Kunden allerdings keinen Onlineshop anbieten. Ist das in der heutigen Zeit nicht ein No-Go für technikaffine Kunden?

Johannes Aumann: Aktuell ist ein Onlineshop nicht angedacht, es kann aber zukünftig eine Option sein, dieses fridel-Sortiment auch online anzubieten. In der Planung ist jetzt eine App, eine eher spartanische Lösung ohne viele Funktionalitäten. Sie bietet dem Kunden den Speiseplan des Restaurants, informiert über aktuelle Empfehlungen des Marktes, fördert die Kundenloyalität zu fridel und dient zu Feedbackzwecken. Integriert in dieser wird es zukünftig dann noch eine Bezahlfunktion sowie die Option, Waren vorzubestellen geben. Bei all dem liegt unser Fokus nicht auf einem Share of Wallet, sondern auf dem Share-of-Lifetime-Aspekt.

Axel Helbig: Gibt es noch weitere Pläne, die Digitalisierung bei fridel voranzutreiben?

Johannes Aumann: Unser Vorteil ist, dass sich fridel durch seine Größe sehr gut auch als Testfeld für Globus und die Weiterentwicklung unserer Multichannel-Strategie eignet. Wir können hier relativ kleine Business Cases aufsetzen und diese auch problemlos im Echtbetrieb durchspielen. Unsere Kunden kennen das bereits.

Im Grunde hängt unser Digitalisierungsprozess davon ab, wie diese Themen zukünftig innerhalb der Globus-Gruppe und in Zusammenarbeit mit foryouandyourcustomers entwickelt werden und darauf setze ich sehr große Hoffnungen.